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Verkehrspolitischer Abend: Veranstaltung der Bürgerinitiative "Frankenbahn 780" in Möckmühl / Hauptredner war Nahverkehrsexperte Dieter Ludwig
Bericht von Herrn Ralf Scherer, Fränkische Nachrichten
Vor gut zwei Jahren gingen erstmals zahlreiche engagierte Bürger entlang der Bahnlinie Heilbronn-Würzburg auf die Barrikaden. Grund waren die massiven Fahrplankürzungen im Jahr 2007 und der damit verbundene Wegfall zahlreicher Verbindungen.
Um dem Protest eine Plattform zu geben, wurde damals kurzerhand eine Bürgerinitiative gegründet, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die "Frankenbahn" wieder vom Abstellgleis zu holen. Denn obwohl einige Kürzungen inzwischen wieder rückgängig gemacht wurden, ist die frühere Fernverkehrslinie nach Ansicht der Bürgerinitiative "Frankenbahn 780" nach wie vor in beklagenswertem Zustand.
Ein modernes regionales S-Bahn-Konzept soll nun Besserung bringen, so die Hauptforderung. Um auf diesem Weg die notwendige Öffentlichkeit zu schaffen, hatte die Bürgerinitiative am Mittwoch zu einem verkehrspolitischen Abend in die Möckmühler Stadthalle eingeladen.
Unter dem Motto "Chancen für die Frankenbahn" begrüßten dazu Walter Krinke und Hans-Martin Sauter zahlreiche Gäste, darunter Vertreter verschiedener Behörden und Institutionen, und stellten die Arbeit der Bürgerinitiative näher vor. Die "elementare Bedeutung" der Frankenbahn für den ländlichen Raum unterstrich Möckmühls Bürgermeister Ulrich Stammer in einem kurzen Grußwort und lobte die Arbeit der Bürgerinitiative. "Es ist wichtig, dass die Bevölkerung hinter dem Projekt steht", so der Rathauschef. "Ich finde es gut, dass so viele Menschen ein so wichtiges Ziel verfolgen." Denn ohne den Druck der Bevölkerung gehe es offenbar nicht. Auf dem bisher Erreichten dürfe man sich nun allerdings nicht ausruhen, sondern müsse die Vertaktung weiter verbessern, um alle Orte entlang der Stecke bedienen zu können.
Eine Forderung, die auch Dieter Ludwig als Hauptredner des Abends bedingungslos unterstützte. "Man muss die Bahn zu den Menschen bringen und nicht die Menschen zur Bahn", lautet seit jeher das Credo des langjährigen Geschäftsführers der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK).
Als Initiator des "Karlsruher Modells" hat der oftmals als "Stadtbahnpapst" bezeichnete Ludwig vor 20 Jahren begonnen, den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Karlsruhe zu revolutionieren und auszubauen.
Inzwischen gilt sein Konzept der Zweisystem-Stadtbahn als Vorbild für den ÖPNV und wurde bereits von zahlreichen Städten im In- und Ausland übernommen. Die Grundzüge dieser Erfolgsgeschichte skizzierte Ludwig anhand einer gut einstündigen Präsentation und ging anschließend auf die Fragen der Zuhörer ein. Als zentrale Botschaft hatte der Nahverkehrsexperte dabei eine an sich simple Erkenntnis mitgebracht, die von der Deutschen Bahn jedoch allzu oft missachtet wird: Der Kunde muss im Mittelpunkt aller Bemühungen stehen. "Wir sind Dienstleiter und müssen kundenorientiert arbeiten", betonte Ludwig. Daher gelte es zunächst einmal den Willen des Kunden zu erkennen und anschließend auch umzusetzen.
Im Ergebnis bedeute dies die Verkürzung der Reisezeit, möglichst schnell erreichbare Haltestellen und vor allem eine höhere Vertaktung.
"Eine bessere Anbindung generiert auch mehr Verkehr.
Wer abends nicht nach Hause kommt, fährt mittags gar nicht erst weg",
untermauerte der Vorkämpfer für pragmatische Lösungen sein Konzept für mehr Mobilität anhand der im Laufe der Jahre deutlich gestiegenen Fahrgastzahlen der Karlsruher Stadtbahn auf sämtlichen Streckenabschnitten. Inzwischen bedienen die VBK mit ihren Partnerunternehmen vom Bodensee bis nach Heilbronn ein hochmodernes Streckennetz auf einer Länge von 600 Kilometern. Als Wachstumsmarkt trägt dazu vor allem die Anbindung des Umlandes bei. In spätestens zweieinhalb Jahren soll deshalb die geplante Verbindung von Heilbronn über Neckarsulm nach Mosbach stehen. Und auch die Perspektiven für die Frankenbahn beurteilte Ludwig als aussichtsreich.
Für eine Strecke von Heilbronn nach Osterburken und später nach Lauda sei die komplette Infrastruktur bereits vorhanden. Bis auf zusätzliche Haltestellen müsse baulich nichts mehr verändert werden und mit 60 000 Anwohnern verfüge man über "genügend Masse".
Alleine am richtigen System fehle es noch. "Wir können das sehr gut und vor allem schnell machen", sagte Ludwig. "Es darf da keine Ausreden bei der Frankenbahn geben." Einziger Knackpunkt seien die auf diesem Streckenabschnitt noch bis 2016 bestehenden Verträge mit der Deutschen Bahn. Hier gelte es Verhandlungen über einen früheren Ausstieg aufzunehmen, um einen durchgehenden Verkehr schaffen zu können.
"Ich kann ihnen nur empfehlen, diesen Weg weiter zu gehen", ermutigte Ludwig zum Abschluss seines Vortrages die anwesenden Entscheidungsträger, den "großen Wurf" zu wagen und einen ÖPNV aus einem Guss anzupacken. Zwar sei jeder zusätzliche Zugkilometer auf der Strecke der Frankenbahn eine Verbesserung, ohne Systemänderung auf das Stadtbahnkonzept sei jedoch kein Quantensprung möglich.
"Der heutige Abend könnte eine Initialzündung sein", dankte anschließend Hans-Martin Sauter für den "überzeugenden Vortrag". Nun gelte es am Ball zu bleiben und weiter Druck auf der politischen Bühne auszuüben.
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